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Neuer Festplatz – alles auf Anfang

Erst frisch angelegtes Terrain muss nun nach Beschwerden wieder aufgerissen werden – für viel Geld

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(rek). Alles muss tiefer gelegt werden. Rund 3000 Quadratmeter. Gemeint ist der mit viel Aufwand neu angelegte Festplatz in Lühnde. Den erst im Jahr 2011 mit Mineralgemisch aufgehübschten Platz gibt es inzwischen nicht mehr. Im Auftrag der Gemeinde ist das Gelände hinter dem Kindergarten komplett ausgekoffert worden – für viel Geld. Nun steht wieder alles auf Anfang. Grund sind Beschwerden von Anwohnern. „Ich hatte mich so gefreut, dass wir das mit dem neuen Festplatz alles rechtzeitig hinbekommen haben“, sagt Vereinsvorsitzender Lothar Ebeling. Inzwischen ist ihm und vielen anderen auch in Lühnde die Freude mit dem Platz gründlich vergangen. „Ich konnte gar nicht glauben, dass die Baufahrzeuge hier alles wieder einreißen“, bedauert der 57-Jährige. Inzwischen ist nur noch blanke Erde neben dem Sportplatz zu sehen. Nur der obere Teil des gepflasterten Festplatzes ist noch da. „Nein, das ist kein Schildbürgerstreich“, betont Thomas Weiß, Ortsbürgermeister in Lühnde. Dennoch kommt es wohl sehr selten vor, dass ein frisch aufgeschütteter Platz wieder in seinen Ausgangszustand zurückversetzt werden muss. Gezwungenermaßen.

Direkte Nachbarn von der Ummelner Pforte hatten nämlich nach der Festplatz-Schönheitskur plötzlich erhebliche Probleme mit dem abfließenden Regenwasser. „Das lief hier alles bei uns in den Garten und unterspülte das Grundstück“, sagt ein Nachbar, der aber namentlich nicht genannt werden möchte. Er ärgert sich, dass der Platz mit einem Gefälle von 1,80 Metern offensichtlich völlig ohne Drainage geplant worden war. „Wo soll das Regenwasser denn dann hin?“ Einen weiteren Fehler sieht der Anwohner darin, dass das abschüssige Areal bis zu einem halben Meter aufgeschüttet worden ist, um auf diese Weise mehr gerade Stellfläche zu haben. Das sei wohl auch gelungen, aber die Festwagen beispielsweise beim Schützenfest seien so bis auf einen Meter an sein Grundstück herangerückt. „All die negativen Folgen – das ist echt nicht mehr zum Aushalten gewesen“, klagt der Mann. Er und vier weitere Anwohner haben sich bei der Gemeinde beschwert und schließlich einen Rechtsanwalt zu Rate gezogen. Die Gemeinde hat umgehend reagiert: mit Rückbau. Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2010 hatte der Algermissener Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Lühnder Festplatz für rund 30000 Euro auszubauen. Erklärtes Ziel der Verwaltung: Der dörfliche Festplatz könne so über das ganze Jahr besser als bisher genutzt werden. Dazu gehört auch eine Wegeverbindung zwischen Kindertagesstätte St. Martin und Festplatz, für die Geld aus dem Konjunkturpaket II geschöpft werden durfte. Die Gemeinde beteiligte sich selbst mit 2000 Euro an dem Vorhaben. Knapp 3000 Euro steuerten insgesamt der Ortsverein (300 Euro), die fünf Vereine des Ortes (1250 Euro), der Zeltverleih Hartmut Schulz (600 Euro) und der Festwirt Wolfgang du Carrois (800 Euro) bei. Ist das gestiftete Geld nun alles futsch? „Wir hätten wenigstens die Hälfte zurückbekommen müssen“,ärgertsichTuS-Vorsitzender Lothar Ebeling, der seinerzeit die Federführung übernommen hatte. „Das Geld ist verbrannt“, konstatiert auch Ortsbrandmeister Ekkehard Lütke. Seiner Meinung nach ist durch mangelhafte Planung „das Kind von Anfang an in den Brunnen gefallen gewesen“. Der Ehrenbeamte der Gemeinde Algermissen, der früher im Tiefbauamt in Hannover tätig war, bemängelt: „Ich hätte erwartet, dass klar gesagt wird, wo etwas quergelaufen ist“. Ortsbürgermeister Thomas Weiß betont, dass er sich bei den Planungen stets auf das Okay der Verwaltung verlassen habe. „Ich bin schließlich kein Bau-Experte.“ „Beim Festplatz haben alle Fehler gemacht“, sagte Gemeindebürgermeister Wolfgang Moegerle bereits auf der traditionellen Bürgerversammlung in der Lühnder Gaststätte Platz. Der Verwaltungschef erläuterte, dass man gedacht habe, mit einfachen Mitteln eine gute Lösung hinzubekommen. „Jede Entscheidung für sich war rechtlich richtig“, sagt er auf Nachfrage. Sicherlich hätten die Gesamtumstände um das Jubiläumsfest des TuS und nicht ausreichende Kommunikation mit den Anliegern zur Komplizierung der Lage beigetragen. „Einen Skandal sehe ich nicht.“ Der Kompromiss lautet nun: Mit 13000 Euro aus der Gemeindekasse wird der untere Teil des Festplatzes wieder abgetragen, das Mineralgemisch abgefahren, der Regenwasserabfluss reguliert und der Platz anschließend neu befestigt.

Kommentar: Platz-Posse

Die Anwohner sind verärgert, die fünf örtlichen Vereine stinksauer: Der neue Festplatz in Lühnde ist wahrlich kein Volltreffer gewesen. In Feierlaune kommt bei diesem Thema momentan im Dorf keiner so schnell. Nur woran hat‘s denn gelegen? So recht möchte da keiner mit der Sprache herausrücken. Verwaltungschef Wolfgang Moegerle, dessen Bauamt den Lühnder Festplatz ja zweifellos geplant und abgesegnet hat, versteckt sich bei der Frage nach der Ursache hinter flauschigen Formulierungen wie „Gesamtumstände“ und „Komplizierung der Lage“. Warum nicht zugeben, dass seinerzeit wahrscheinlich unbürokratisch schnell viele Interessen beglückt werden sollten – in der Eile aber bautechnische Fehler passiert sind? Mängel, die die Gemeinde Algermissen jetzt teuer zu stehen kommen. Die Korrektur kostet ja schließlich nicht nur 13000 Euro, sondern auch die bereits vorher investierten 5000 Euro der Vereine, Förderer und des Ortsrates. Insgesamt viel Geld – für eine wahre Platz-Posse. Renate Klink (HAZ)