„Sie meinen bestimmt Mirko, meinen Sohn“

Karl-Heinz Slomka wird heute 70. Er hat mit dem TuS Lühnde in der Bezirksklasse gespielt, feiert 2011 sein 40-jähriges Schiedsrichter-Jubiläum und wird manchmal mit dem Trainer von Hannover 96 verwechselt.

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Zunächst gibt es einen satten Händedruck. Dann schaut Karl-Heinz Slomka seinem Gegenüber bei der Begrüßung eine Weile in die Augen – erst mal testen, wer denn da vor der Tür steht. „Bei diesem schönen Wetter setzen wir uns am besten auf die Terrasse“, sagt er. Slomka sieht jünger aus, als er ist. Der Mann wird heute 70 Jahre alt. Wer auf die Terrasse der Slomkas will, muss durchs Wohnzimmer. Und dort hängt über dem Fernseher ein großes Foto. „Unser ganzer Stolz“, sagt  Edeltraut Slomka, die Gattin von Karl-Heinz. Auf dem Bild zu sehen sind die Kinder des Paares: Diana, Mario und Mirko. Karl-Heinz Slomka nickt zufrieden. Er ist ein gradliniger Typ. Mehr als 48 Jahre hat er bei der Firma Miele in Lehrte gearbeitet. Bis 2004, dann ging er in Rente. „Ich bin Dreher. Gelernt habe ich ebenfalls bei Miele. So lange in einem Betrieb, das gibt es heute kaum noch.“ Gefeiert wird der 70. daheim in Lühnde. Mit rund 40 Gästen. Die Slomkas lassen ein Zelt im Garten aufbauen. „Und Mirko hat den Catering-Service organisiert“, sagt Edeltraut Slomka.

So geht es häufig: Das Gespräch landet schnell beim Sohn Mirko Slomka.

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Kein Wunder: Schließlich ist er der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 und damit eine Berühmtheit. Wie prominent, das bekamen die Slomkas unlängst in Österreich zu spüren. „Unsere Kinder haben uns einen Gutschein für eine Reise nach Wien geschenkt“, erzählt Karl-Heinz Slomka. Vor drei Wochen wurde das Geschenk eingelöst. Die ganze Familie fuhr mit. Zeitgleich weilte die Deutsche Nationalmannschaft wegen der EM-Qualifikationspartie gegen Österreich in Wien, und damit auch viele Sportjournalisten. „Wir sind immer wieder angesprochen worden. Mitten in der Stadt fingen uns Leute von der Bild-Zeitung ab und interviewten Mirko“, sagt Mutter Edeltraut kopfschüttelnd. „Manchmal nervt es schon“. Auch abends im Stadion während des Länderspiels kamen die Slomkas kaum zur Ruhe. „Ständig wollten die Fans Fotos mit Mirko machen. Das nervt manchmal schon“, sagt der Vater. „Und es ist nicht leicht für meinen Sohn. Wenn er die Wünsche ablehnt, glauben alle, dass er unfreundlich ist.“ Andererseits gibt es die netten Seiten des Promi-Status‘. So durften die Slomkas im Ernst-Happel-Stadion ein  Geheimtraining der Nationalelf beobachten. „Alle mussten raus aus der Arena, nur wir nicht“, sagt Karl-Heinz Slomka und grinst. Das Lächeln hat er an Mirko Slomka vererbt – ohnehin sehen sich die zwei ziemlich ähnlich. Mit etwas gutem Willen könnte Karl-Heinz auch als Mirkos älterer Bruder durchgehen. Damit hat der eine oder andere so seine Problemchen. Unlängst gratulierte  Bundestagsabgeordneter Bernhard Brinkmann während eines zufälligen Treffens Karl-Heinz Slomka zum großen Erfolg. „Sie meinen nicht mich“, entgegnete Slomka senior. Brinkmann ließnicht locker: „Doch doch. Ich kenne Sie aus dem Fernsehen.“ Karl-Heinz Slomka musste lachen: „Das bin nicht ich. Sie meinen bestimmt Mirko, meinen Sohn.“ Karl-Heinz Slomka kommt braungebrannt und recht durchtrainiert daher. Mindestens zweimal die Woche marschiert er ins Fitnessstudio. „1993 hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Ich muss was für meinen Rücken tun.“ Geboren wurde er in Gretenberg (gehört heute zu Sehnde). 1958, als 17-Jähriger, landete er beim TuS Lühnde. Durch den Sportverein lernte er seine Frau Edeltraut kennen. „Das war Silvester 1959“, erinnert sich Karl-Heinz Slomka. „Wegen ihr bin ich dann hierher gezogen.“ Er spielte während der großes Zeit des TuS in Lühnde. Immerhin bis in die Bezirksklasse brachte es der Klub damals. 1971 durchlief er die Trainerausbildung und betreute verschiedene Mannschaften. „Als Coach war es Pflicht, auch die Schiedsrichter-Prüfung zu bestehen“, sagt er. Ein folgenschwerer Lehrgang. Noch im selben Jahr pfiff Karl-Heinz Slomka sein erstes Spiel – und als Mann mit der Pfeife dürfte er den meisten Kickern im Kreis bekannt sein. Noch bis vor vier Jahren schiedste er regelmäßig – seine letzte Partie leitete Slomka im Mai 2007. „Karl-Heinz war ein sehr penibler Unparteiischer“, meint Edeltraut Slomka. „Aber ein harter Hund war ich nie. Ich glaube, ich habe in den ganzen Jahren keine 20 roten Karten verteilt“, meint Slomka selbst. Noch heute engagiert er sich für den TuS Lühnde. Wie vor kurzem bei der Organisation der 100-Jahr-Feier. Was er sonst noch gern macht? „Meinen Enkel zu Fußballturnieren begleiten. Wenn Mirko mal nicht kann, betreue ich seinen Sohn Luk“, erzählt Slomka. Und natürlich ist ein Termin in  der Woche geblockt: die 96-Bundesligaspiele. Entweder ist Karl-Heinz Slomka dann im Stadion, oder er sitzt vor dem Fernseher und drückt seinem Sohn Mirko die Daumen. „Ich kann mir das eigentlich ganz entspannt anschauen“, sagt er. Im Gegensatz zu seiner Frau. „Die hat Angst, dass Hannover verliert“, so Karl-Heinz Slomka. Wenn 96 im TV läuft, sattelt Edeltraut das Fahrrad und tourt 45  Minuten durch die Gegend. In der Halbzeit schaut sie kurz zu Hause vorbei und erkundigt sich nach dem Zwischenstand. Pünktlich zur zweiten Hälfte flüchtet sie wieder und dreht eine weitere Runde. Selbst, wenn Hannover schon 3:0 führt, hat sie noch Hummeln im Hintern. „Ich kann das nicht gucken. Ich bin viel zu nervös“, sagt Edeltraut Slomka. Sie streicht ihrem Gatten über die Wange: „Jaja, Fußball ist schon unser Leben.“ Die beiden haben bald Goldene Hochzeit und Karl-Heinz Slomka außerdem sein 40-jähriges Schiri-Jubiläum. „Dazu heute noch der 70. Geburtstag – lauter runde Zahlen und Jubiläen. Ich komme aus dem Feiern gar nicht mehr heraus“, sagt er und lächelt wieder mit diesem typischen Slomka-Grinsen.

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