Probebohrungen stehen bevor: Lühnde plant neue Energieversorgung für Teile des Orts

In einem Teil von Lühnde soll es künftig eine autarke Energieversorgung geben. Wie das funktionieren könnte – und welche ersten Schritte jetzt geplant sind.

In Lühnde könnte in einem Teil des Ortes künftig eine völlig neue Energieversorgung entstehen. Hintergrund ist ein Quartierskonzept, das das Energie-Beratungszentrum Hildesheim im Auftrag der Gemeinde Algermissen erarbeitet hat. Das „Quartier“, das dabei untersucht wurde, ist der Bereich rund um den Hangräthsweg, in dem sich nahezu sämtliche öffentliche Gebäude des Dorfes wie Grundschule, Kita und Dorfgemeinschaftshaus befinden.

Das Quartierskonzept sei schon vor Jahren angestoßen worden, berichtet Ortsbürgermeister Lars Zeugner (SPD). Dabei sollen auch die Wohnhäuser an der Straße mitversorgt werden. „Deswegen begrüße ich grundsätzlich die Planungen, was das Quartierskonzept angeht“, sagt Zeugner.
Drei Varianten erarbeitet

Drei mögliche Varianten für die Wärmeversorgung des Gebiets wurden erarbeitet: Zum einen eine dezentrale Wärmeerzeugung durch Luft-/Wasser-Wärmepumpen, zum anderen ein Nahwärmenetz mit einer zentralen Wärmeversorgung durch ein kleines Heizkraftwerk, das mit Pellets oder Hackschnitzeln befeuert wird, und schließlich ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz.

Bei Letzterem fließt leicht temperiertes Wasser durch das Leitungsnetz zu den Gebäuden. Es unterscheidet sich damit von einem Fernwärmenetz, bei dem sich heißes Wasser in den Leitungen befindet. Das Wasser im Lühnder Nahwärmenetz soll durch Erdwärme auf die richtige Temperatur gebracht werden. In den Häusern müssten dann Wärmepumpen dafür sorgen, dass es noch weiter erwärmt wird.
Pläne für Lühnde noch in früher Phase

Ob es allerdings tatsächlich so weit kommt, steht noch gar nicht fest. Die Pläne befinden sich noch in einer frühen Phase. Eine Entscheidung, ob es ein Wärmenetz in Lühnde geben wird, ist laut Gemeindeverwaltung noch nicht gefallen.

Allerdings sind nun erste Erkundungen geplant. In den kommenden Wochen sollen zwei geologische Probebohrungen stattfinden, um so die Untergrundverhältnisse zu untersuchen und herauszufinden, ob sich die Gegend überhaupt für den Aufbau eines kalten Nahwärmenetzes eignet. 200 Meter tief soll sich der Bohrer jeweils in den Boden fräsen. Und zwar voraussichtlich auf dem Schulgelände, möglichst am Rand, sowie auf dem Schützenplatz.
„Klimafreundliche und zukunftssichere Wärmeversorgung“

„Wir wollen in Lühnde frühzeitig prüfen, welche Möglichkeiten es für eine klimafreundliche und zukunftssichere Wärmeversorgung gibt“, sagt Algermissens Bürgermeister Frank-Thomas Schmidt: „Die Probebohrungen sind dafür ein sinnvoller erster Schritt. Sie liefern uns die notwendigen Daten, um überhaupt beurteilen zu können, ob und wie ein solches Projekt vor Ort realisierbar wäre.“

Auch Fachdienstleiterin Jennifer Szczepanski aus dem Algermissener Rathaus betont, es sei wichtig, zunächst belastbare Erkenntnisse über die geologischen und hydrogeologischen Voraussetzungen zu gewinnen: „Erst auf dieser Basis kann seriös geprüft werden, ob ein kaltes Nahwärmenetz technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Alle Voruntersuchungen für die Bohrungen liegen nach Angaben der Gemeindeverwaltung bereits vor. Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat demnach das Gebiet geprüft und sieht keinen Handlungsbedarf. Wann die Bohrungen stattfinden, steht noch nicht fest. Sollten die Ergebnisse der Untersuchungen positiv ausfallen, könnten sie die Grundlage für weitergehende Planungen bilden.

(aus: HAZ online/06.05.2026)

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