Notruf auf Irrwegen: Schwerverletzter wartet in Lühnde 40 Minuten auf den Rettungswagen
(HAZ online / 26.03.2026 / Andreas Mayen) Nach einem Verkehrsunfall in Lühnde musste ein verletzter Motorradfahrer kürzlich mehr als eine halbe Stunde auf das Eintreffen eines Rettungswagens warten. Die Aufarbeitung zeigt nun: Der Notruf landete nicht in der Hildesheimer Rettungsleitstelle, sondern im Umland – der Fall im Detail.
Nach einem Verkehrsunfall zwischen einem Auto und einem Motorrad in Lühnde musste ein verletzter Motorradfahrer kürzlich mehr als eine halbe Stunde auf das Eintreffen eines Rettungswagens warten. Der Vorfall vom Nachmittag des 12. März wird noch aufgearbeitet. Laut Augenzeugenberichten wurde der Biker an jenem Tag durch den Zusammenstoß mehrere Meter durch die Luft geschleudert und musste später im Krankenhaus operiert werden. Trotz der misslichen Umstände hatte der Mann noch Glück im Unglück – denn ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Lühnde fuhr direkt hinter dem Unfallwagen.
Feuerwehrmann holt Ersthelferin aus der Nachbarschaft
Der ortskundige Feuerwehrmann alarmierte eine direkt neben der Unfallstelle wohnende Krankenschwester und Feuerwehrfrau, die sofort Erste Hilfe leistete und den Motorradfahrer bis zum Eintreffen eines Rettungswagens versorgte. In der jüngsten Sitzung des Algermissener Gemeinderates berichtete die Ersthelferin über ihren Hilfseinsatz: „Der Rettungswagen traf erst nach 40 Minuten ein“, berichtet sie.
Nach der niedersächsischen Bedarfsverordnung für den Rettungsdienst muss in 95 Prozent aller Notfalleinsätze ein Rettungswagen spätestens nach 15 Minuten am Einsatzort sein. Die Zeit beginnt erst in dem Moment zu laufen, wenn die Rettungsleitstelle die Einsatzentscheidung trifft – nicht schon, wenn der Anruf in der Leitstelle eingeht.
Bürgermeister Schmidt eingebunden
Über die weit über den gesetzlichen Vorgaben liegende Eintreffzeit des Rettungswagens wurde kurz nach dem Vorfall auch der Algermissener Gemeindebürgermeister Frank-Thomas Schmidt informiert. Er forderte bei Gemeindebrandmeister Stefan Sohns einen Bericht an. „Ich habe den Bericht dann persönlich an Landrat Bernd Lynack übergeben“, sagt Schmidt im Gespräch mit der HAZ, „so etwas darf nie wieder passieren.“ Schmidt erkundigte sich auch nach den Folgen für den Verletzten: „Es ist kein Schaden durch das verspätete Eintreffen des Rettungswagens entstanden.“
Mitglieder der Lühnder Feuerwehr wurden über ihre Funkmeldeempfänger alarmiert. Einer von ihnen war der Lühnder Ortsbrandmeister Lukas Holze. „Ich war in dem Moment in Borsum und bin mit meinem Privatwagen zur Unfallstelle gefahren“, berichtet Holze, „und ich war noch vor dem Rettungswagen vor Ort.“ Die Alarmierung von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ist Teil des Konzepts der „First Responder“. In Erster Hilfe geschulte Feuerwehrleute sind gerade in ländlichen Bereichen häufig sehr schnell vor Ort und können die Zeit überbrücken, bis ein Rettungswagen eintrifft. „Der Einsatz von First Respondern hat sich bewährt“, sagt Holze.
Verschiedene Funkmasten
Die Ursache für die lange Zeitspanne war offenbar ein Kommunikationsproblem zwischen den Leitstellen in Hildesheim und Hannover. Lühnde liegt nach Informationen des Algermissener Ratsherrn und Kreistagsabgeordneten Clemens Gerhardy (CDU) im Bereich verschiedener Funkmasten. Wählt nun jemand den Notruf 112, so landet er entweder in der Rettungsleitstelle in Hannover oder in Hildesheim. Das hängt davon ab, über welchen Funkmast er mit dem Netz verbunden ist. Im konkreten Fall ist der Anruf wohl in Hannover gelandet. Wer über ein Festnetztelefon in Lühnde die Notrufnummer 112 wählt, erreicht dagegen immer die Leitstelle in Hildesheim.
Dass der Notruf in Hannover auflief, ist grundsätzlich kein Problem, da der Landkreis Hildesheim und die Region Hannover eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen haben, die einen Einsatz über Grenzen hinweg vorsieht. „Entsprechend dieser Vereinbarung wurde zunächst ein Rettungswagen aus Sehnde angefordert“, erläutert Kreissprecherin Birgit Wilken, „aufgrund eines größeren Einsatzgeschehens standen dort jedoch keine freien Fahrzeuge zur Verfügung.“ Im nächsten Schritt alarmierte die Leitstelle Hannover einen freien Rettungswagen aus Pattensen.
Kreisverwaltung: Wagen aus Sarstedt nach zwölf Minuten zur Stelle
Das war um 15.15 Uhr. Eine Viertelstunde später war auch die Leitstelle Hildesheim über den Unfall informiert. Um 15.29 Uhr alarmierte sie einen Rettungswagen aus Sarstedt, der um 15.41 Uhr am Unfallort war. Für die Rettungsleitstelle Hildesheim kann der Landkreis die genauen Zeiten nachvollziehen. „Insgesamt vergingen zwölf Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungswagens am Einsatzort“, sagt Birgit Wilken. Aus Sicht des Landkreises ist die Alarmierung korrekt verlaufen. Dennoch dürfte der Vorgang noch Thema der Rettungsdienstträger in Hildesheim und Hannover werden. Birgit Wilken: „Die Abläufe und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen werden fortlaufend überprüft und optimiert.“

