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Im zweiten Anlauf trifft es Norden und Westen

Die Trasse soll unter anderem zwischen Bledeln und Lühnde verlaufen 

 

(HAZ/abu). Vor drei Jahren hatten viele Bürger im Nord- und Westkreis noch aufgeatmet: Der Kelch der „Megamasten“ war an ihnen vorübergegangen, örtliche Bürgerinitiativen hatten sich wieder aufgelöst. Die Landesregierung entschied sich bei der 380-Kilovolt-Freileitung von Wahle nach Mecklar für die östliche Variante durch Söhlde, Baddeckenstedt, Holle, den Ambergau und Lamspringe. Doch nun steht dem Landkreis die zweite Großtrasse ins Haus – durch Norden und Westen der Region. Die Trasse, die Tennet gestern präsentierte, erreicht den Landkreis entlang der A 7, macht dann einen Schlenker zwischen Bledeln und Lühnde hindurch, ehe sie nördlich von Klein Förste in Richtung Westen schwenkt. Zwischen Ahrbergen und Giesen verläuft sie weiter an Giften vorbei, ehe sie nach Süden abbiegt und entlang der Bundesstraße 3 Wülfingen und Elze passiert. Nördlich von Eime geht es dann westwärts in Richtung Weser. Besonders betroffen sind die Gemeinden Algermissen und Giesen. Bei Bledeln macht der rund einen Kilometer breite Korridor, den Tennet sich ausgeguckt hat, einen Schwenk und führt zwischen dem Dorf und Lühnde hindurch – was Algermissens Bürgermeister Wolfgang Moegerle schon mal ärgert: „Das sieht widersinnig aus, das muss man hinterfragen.“

Tennet-Projektleiter Thomas Wagner erklärte gestern auf Anfrage: „Wir haben dort die Bündelung mit der Autobahn verlassen, weil wir sonst zu nah an die Häuser gekommen wären.“ Östlich um Bledeln herum sei die Distanz zu Wohngebieten größer. Mit dem Bledelner Umspannwerk habe das hingegen nichts zu tun: „Die Trasse beginnt in Wilster und endet in Grafenrheinfeld, dazwischen gibt es keinerlei Abzweige.“ Wagner betonte aber auch, der Korridor sei nicht in Stein gemeißelt: „Das ist unsere Vorzugstrasse, wir müssen noch Alternativen entwickeln“, sagt er. „Und natürlich reden wir mit den Gemeinden noch über Details vor Ort.“ Dazu fällt auch Giesens Bürgermeister Andreas Lücke einiges ein, auch wenn ihn die Trassenführung nicht völlig überrascht: „Die Variante gab es bei der Planung von Wahle-Mecklar ja auch schon, da kam sie nur nicht zum Tragen.“ Es gebe aber weiterhin gute Argumente gegen den Verlauf zwischen Giesen und Ahrbergen: „Wenn Kali + Salz dort tatsächlich wieder den Betrieb aufnimmt, eine zweite Halde errichtet und wir dort eine neue Gemeindestraße bauen, müsste man schon zu dem Ergebnis kommen: Es reicht!“, fin det Lücke. Er fürchtet allerdings, beim Verfahren für die neue Trasse noch weniger Einflussmöglichkeiten zu haben als bei dem ersten Projekt: „Da hat ja noch eine Landesbehörde entschieden, jetzt macht das die Bundesnetzagentur, da hat man als Kommune noch weniger Chancen.“ Was die Transparenz des Verfahrens angeht, hat er auch so seine Zweifel. Lücke verweist darauf, dass die einzige Informations-Veranstaltung für Niedersachsen schon am nächsten Dienstag stattfinden soll – um 18 Uhr in Celle: „Noch kurzfristiger geht es ja wohl kaum, wir haben da eine Ausschuss-Sitzung. “Möglich allerdings, dass den Giesenern die Trasse doch erspart bleibt. Denn zwischen Heisede und Gleidingen verläuft bereits eine 220-Kilovolt-Leitung von Ost nach West. Könnte die neue 500-Kilovolt-Leitung dort einfach noch dazukommen? „Das ist eine denkbare Möglichkeit“, sagt Tennet-Mann Wagner. Sarstedts Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek äußerte sich gestern zurückhaltend: „Ich kenne die Pläne noch nicht genau.“ Allerdings sei Sarstedt mit Autobahn, Bundesstraße, zwei Bahnstrecken, einem bestehenden und einem geplanten Windpark eigentlich genug belastet. Die Bürgermeister von Nordstemmen und Elze, Norbert Pallentin und Rolf Pfeiffer, waren gestern Nachmittag für Stellungnahmen nicht erreichbar. In ihren Gebieten soll die neue Trasse parallel mit der bereits bestehenden 220-Kilovolt-Leitung verlaufen. Und zwar zusätzlich, die bestehende Leitung würde nicht ersetzt, sondern bliebe erhalten, wie Tennet gestern Abend auf Nachfrage erklärte. Auch die Bürgerinitiative Südkreis, die zunächst gegen die Trasse Wahle-Mecklar und jetzt für bessere Bedingungen bei diesem Projekt kämpft, übte gestern Kritik am Vorgehen des Netzbetreibers, verwies wie Lücke auf die wenige Zeit bis zur Info-Veranstaltung. Zudem wolle Tennet Ende März die Anträge stellen, spätestens zwei Monate später müsse die Antragskonferenz stattfinden: „Kommunen und Bürger müssen sich jetzt also in drei bis vier Monaten in ein sehr komplexes Thema einarbeiten, um sich im Genehmigungsverfahren vernünftig beteiligen zu können.“