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Das ganze Dorf wird zum Flohmarkt

60 Familien bauen in Lühnde Stände auf Grundstücken auf
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Lühnde (söh). Viele Einwohner Lühndes und Gäste aus der Umgebung haben sich auf einen besonderen Spaziergang durch ihr Dorf begeben. Dabei konnten sie erstmals trödeln – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Initiative des Lühnders Wolfgang Reinert sollte das ganze Dorf für sieben Stunden zum Flohmarkt werden, der nach amerikanischem Vorbild organisiert wurde. Jeder Dorfbewohner konnte an der Aktion teilnehmen und seine Sachen bequem vom eigenen Grundstück seines Hauses verkaufen. „Insgesamt haben 60 Familien teilgenommen und in entspannter Atmosphäre einen Stand aufgebaut“, berichtete Reinert erfreut.

Durch sein Internet-Auktionsbüro bietet er auch immer wieder viele Dinge aus Haushaltsauflösungen an und präsentierte daher an seinem Stand ein großes Sortiment von Waren aus allen möglichen Bereichen. „Ich bin selbst zwei bis dreimal jährlich auf Flohmärkten unterwegs“, erzählte Reinert. Dabei ärgere er sich oft über die zum Teil hohen Standgebühren auf den Flohmarktplätzen. „Pro Meter 10 Euro, da ist der Durchschnittsverkäufer mit zwei bis drei Metern kräftig dabei“, kritisierte der Flohmarkterfahrene, „und schließlich weiß man nie, ob das Wetter mitspielt und die Besucher wirklich zahlreich und kauffreudig eintreffen.“ Die Idee zum Lühnder Flohmarkt sei ihm beim Entrümpeln gekommen. Bis zum Flohmarkttag war jedoch noch einige Vorbereitungszeit nötig. Handzettel wurden gedruckt und in den Haushalten verteilt. Angst vor Standgebühren musste niemand haben – es gab nämlich keine. Nur ein Unkostenbeitrag von 2,50 Euro wurde für das Drumherum und die Handzettel erhoben, damit diese Kosten gedeckt waren. Der Überschuss werde dem Kindergarten in Lühnde überreicht, versichert der Organisator. Das Konzept wurde von den Lühndern gut angenommen. „Toll, dass es jemand in Angriff genommen und organisiert hat. So eine Idee gab es schon lange nicht mehr“, meinte eine Schnäppchenjägerin aus Lühnde. Bei den verschiedenen Ständen stieß sie auf Sachen von A bis Z. „Dorfflohmärkte können zur Konkurrenz von Großflohmärkten werden“, ist Wolfgang Reinert überzeugt. Am Tag des Flohmarkts bekamen die Besucher bei seinem Stand eine Ortsplankopie mit den eingezeichneten Ständen der einzelnen Anbieter. Dort markiert war auch Axel Modersohn, der wegen Zeitmangels weniger auf Flohmärkten ist, aber gerne handelt. Auf dem Hof vor seinem Haus bot Modersohn unter anderem Spielsachen, Bücher, Bekleidung und sogar eine Kettensäge und einen Sattel an. Für ihn ist Flohmarkt Kult. „Die Idee ist super, es entsteht kein großer Aufwand“, erzählt Modersohn, „man braucht die Sachen nur den kurzen Weg vom Dachboden holen,
der übliche Ablauf entfällt.“ Schließlich müsse man nicht alles einladen, hinfahren, ausbreiten, sitzen und verkaufen, einräumen, zurückfahren und wieder ausräumen. Besonders gut weggehen würden die „Renner von früher und heute“: Micky Maus-Hefte, TKKG, die „drei Fragezeichen“. „Auf diesem Flohmarkt wird außerdem der Nachbarschaftszusammenhalt gefördert“, ergänzte Modersohn abschließend. „Die Resonanz war gut. Es hat Spaß gemacht und den kompletten Tag war hier etwas los, selbst in der Mittagszeit“, resümiert Organisator Wolfgang Reinert. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist nicht ganz ausgeschlossen, jedoch hänge es von der „Lust, Laune und Zeit“ ab.